Mit starrem Blick gerade aus fuhr ich die A81 entlang von Stuttgart zurück nach Rottweil und konnte es einfach nicht fassen, was ich da gerade gehört hatte: „Mario, ich kann dir nicht mehr mit gutem Gewissen dazu raten, weiter in diese Plattform zu investieren“.

Das war im Oktober 2015. Mein damaliger Programmierer hatte mich schon einige Male zuvor gewarnt. Aber wahrscheinlich wollte ich es nicht wahrhaben, weil ich bereits zu viel in das Projekt gesteckt hatte.

Genauer gesagt über 100.000 €! Mit Mitte 20. Einfach so, weg…

Was war passiert?

2012 rief ich die Plattform AFOMA ins leben. Eine Akademie für Online Marketing auf der auch andere Autoren ihre Schulungen zum Thema Online Marketing publizieren sollten.

Das Projekt hob allerdings nie wirklich ab. Wie so viele andere Gründer vor mir, beging ich den Fehler, immer mehr Features dafür entwickeln zu lassen und immer mehr Geld in die Plattform hineinzustecken. Für die eigentlichen Probleme war ich blind: die erfolgreichen Online Marketer wollten ihre Kurse nicht auf einem Marktplatz anbieten, auf dem sie kaum Kontrolle hatten.

Ich hatte die Vision vom ganzheitlichen Online Marketing Wissen an einem Ort. Jedoch ging dieser Plan völlig am Markt vorbei. Denn die Anbieter dieses Wissens wollten ihre Produkte über die eigene Webseite und die eigenen zu kontrollierenden Systeme vermarkten.

Das haben mir auch einige gesagt, aber ich wollte es nicht wirklich glauben.

3 Jahre später, im Frühjahr 2015 war dann klar, dass AFOMA als Marktplatz in dieser speziellen Nische nicht funktionieren würde.

Da kam mir plötzlich ein Lichtblitz:

„Wie wäre es, die Begrenzung auf Online Marketing Themen aufzuheben und die gleiche Technik für alle Themen – vom Hundetraining bis zur Meditation – unter dem neuen Namen „Spreadmind“ bereitzustellen?“ Ein Hoffnungsschimmer kam auf: Konnten sich die enormen Investitionen in die Entwicklung der letzten 3 Jahre doch noch lohnen?

Mein Programmierer warnte mich das erste Mal „Mario die Plattform basiert auf einer Servertechnik (PHP 5.4), die mittlerweile über drei Jahre alt ist und nicht mehr all zu lange unterstützt wird“.

Es war eine schwierige Entscheidung, doch was sollte ich tun? Immerhin hatte ich bereits um die 100.000 € in das Ding gesteckt und es ganz aufgeben? Das konnte ich nicht!

„Vielleicht geht Spreadmind auch innerhalb weniger Monate so durch die Decke, dass wir aus den ersten Gewinnen die parallele Entwicklung einer neueren Plattform angehen könnten, bevor die alte gar nicht mehr läuft?“ – Einer der vielen Gedankengänge zu dieser Zeit.

Es war ein großes Risiko, doch ich setzte darauf. Ich nahm nochmal etwas Geld in die Hand, um die Plattform hinter afoma.de auf spreadmind.de umzuziehen (afoma.de hingegen wurde zur einfachen WordPress Webseite). Wir passten das Branding etwas an und brachten Mitte 2015 ein Geschäftsmodell auf den Markt, bei dem Autoren für 49€ im Monat die Funktionen der Plattform vollumfänglich nutzen konnten, um Online Kurse zu publizieren.

Nebenbei bemerkt, nahm ich damals gar nicht wahr, wie ich als Selbstständiger mit einem relativ sicheren Infobusiness (mit eigenen digitalen Infoprodukten) nach fast 6 Jahren immer mehr zu einem Gründer eines SaaS (Software as a Service) Startups wurde, welches wesentlich mehr Risiko mit sich brachte.

Oder anders gesagt: Diese unglaublich beschissene Achterbahnfahrt als Unternehmer sollte mich das erste Mal voll erwischen!

Es meldeten sich zwar 200 Autoren für den kostenlosen Testmonat an. Davon blieb allerdings nach 2-3 Monaten nur noch knapp die Hälfte übrig. Die 4900 Euro Bruttoumsatz deckten gerade mal die Büromiete und die Personalkosten. Alle Ausgaben drüber ließen meine geschäftlichen Ersparnisse schmelzen. Es wurde also schon etwas brenzlig.

Nach dem Launch hatten wir die Türen erst mal zu, um mit den ersten Autoren zu arbeiten und Feedback zu sammeln. Die Situation sah also so aus, dass die Autorenzahlen schrumpften sich aber die Wünsche der Autoren für neue Funktionen anhäuften.

Auch an Hand dieser Wünsche hätte ich eigentlich zwischen den Zeilen erkennen müssen, dass die Autoren nach einer einfachen technischen Lösung auf ihrer eigenen Webseite suchen und nicht einer von vielen auf einem großen Marktplatz sein möchten. Doch so weit war ich noch nicht.

Die Folge war wieder die selbe Leier: „Wenn erst mal das und das noch drin ist, dann können wir wieder in die Vermarktung gehen und dann wird alles gut“…

Ich ging also im Herbst 2015 zu meinem Programmierer-Team nach Stuttgart mit der Wunschliste der Autoren im Gepäck. Optimistisch wie der Mario halt ist, voller Motivation.

Und dann kam er, der Satz von Axel, meinem damaligen Programmierer. Sicherlich viel es ihm schwer, ihn auszusprechen, denn er zog mir den Stuhl unterm Arsch weg und doch war er lebensverändernd:

„Mario, ich kann dir nicht mehr mit gutem Gewissen dazu raten, weiter in diese Plattform zu investieren“.

Für unbeteiligte klingt der Satz nicht weiter schlimm. Für mich war er der Auslöser purer Verzweiflung.

Ich wusste plötzlich gar nichts mehr. Ich wusste nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Hatte ich doch mit Spreadmind den letzten Jahren eine so sinnvolle Vision in entwickelt, die andere befähigen sollte, mit ihrem Wissen das Leben anderer Menschen zu verbessern.

Und jetzt soll es das gewesen sein?

Soll ich wieder zu meinen Ursprüngen zurück und einfach nur Schulungen zum Thema „Onlinebusiness mit Infoprodukten“ anbieten? Soll dabei jeder meiner Kunden wieder auf zig verschiedene Tools am Markt zurückgreifen müssen, um sich alles selbst zusammenzubasteln? Das ist doch scheiße! Das will ich nicht! Es gibt da draußen nichts Ganzheitliches, nichts, das ohne technische Kenntnisse funktioniert.

Meine Vision war so stark in mir verankert, dass ich sie nicht loslassen konnte. Aber ich hatte keinen Plan, wie ich das noch hinbekommen sollte.

Es vergingen mehrere Wochen, in denen ich völlig planlos war. Ich bin dann viel Spazieren gegangen, habe stundenlange Monologe in meinem Kopf geführt und zu Gott gebetet, in der Hoffnung einen Weg zu finden, um meine Pläne für die Online Business Branche umzusetzen.

Denn in den Jahren zuvor hatte ich mir zu Spreadmind ein Produktkonzept ausgedacht, dass es so noch nicht gibt.

Ich wollte ein Unternehmen schaffen, das in der Lage ist, Menschen wirklich ganzheitlich beim Aufbau eines eigenen Online Business zu begleiten:

  • Mit der Plattform sollte der ganze technische Part für unsere Kunden abgewickelt werden können (Von der Zahlungsabwicklung über die Auslieferung der Kursinhalte bis hin zum Partnerprogramm und E-Mail-Marketing)
  • Passend dazu sollte es Trainingsprogramme geben, um seine Produkte auch erfolgreich übers Internet vermarkten zu können
  • Für die, die gar nichts mit der Technik oder dem Design am Hut haben wollten, sollten passende Dienstleistungsangebote weiterhelfen
  • Und zu guter Letzt sollte ein Joint-Venture Deal für ausgewählte Autoren unser Angebot abrunden.

Man sieht, ich wollte hoch hinaus. Zu dem Zeitpunkt war ich aber ganz unten angekommen.

Wie in einer Achterbahn üblich, kann es einen auch wieder nach oben reißen, sofern man ganz unten noch nicht ausgestiegen ist.

So war es dann auch: Wenige Wochen nach der Horrornachricht meines Programmierers, hatte ich mehrere Gespräche mit Martin Glanert. Mit ihm hatte ich über mehrere Jahre losen Kontakt während dem es auch immer mal wieder zu Business-Interviews zwischen ihm und mir kam.

Ich vertraute ihm meine Probleme an und er erzählte mir im Gegenzug als Mitgründer von „Wir lieben WordPress“ etwas von Multisite-Netzwerk-Lösungen. Wir verabschiedeten uns.

Danach ging ich ins Rottweiler Aquasol um etwas in der Sole zu entspannen. Und da kam er, der Gedanke: „Verdammte Scheiße, das würde ja bedeuten, dass… Oh mein Gott, das ist es! Warum bin ich da nicht früher drauf gekommen?!“.

Am nächsten Tag kontaktierte ich sofort Martin für ein weiteres Gespräch: „Martin das würde ja bedeuten, man könnte eine perfekte Musterwebseite, mit allem was man für ein Online Business benötigt, technisch fertig hinstellen und es für jeden einzelnen da draußen einfach klonen und der könnte es jeweils an seine Bedürfnisse anpassen, richtig?“.

Martin ganz belanglos: „Ja genau“. In meinem Kopf: „Das geht wirklich, es ist wirklich so, wie ich es mir zusammengeträumt hatte. Ich glaubs nicht!“.

Erst da merkte ich, dass das für Martin schon lange nichts Neues mehr war. Er hatte diese Idee schon länger im Sinn, suchte aber noch jemanden, der das auch mit genügend Ressourcen umsetzen und vermarkten könnte. Eine neue Zusammenarbeit war geboren.

2015: so richtig auf die Fresse fliegen, 2016: wieder aufstehen

Im Kopf war dann alles klar, doch jetzt kam eine gigantische Herausforderung auf uns zu: Wir mussten das Ganze erst noch entwickeln. Mit kaum Kapital!

Es verging Monat um Monat des ersten Halbjahrs 2016. Wir arbeiteten wie blöd an der neuen Plattform, um wieder nach oben zu kommen, um wieder aufzustehen. Während dieser Zeit hatten wir Einnahmen in Richtung Null. Lediglich ein paar Affiliate Einnahmen, die übrigen Autorenbeiträge und ein paar eBook-Verkäufe kamen rein. Doch Monat für Monat wurde der Betrag auf dem Geschäftskonto bedrohlich kleiner.

Kurz vor Fertigstellung der Plattform stellte sich dann heraus, dass der Zahlungsprovider noch keine aktuelle Version der Schnittstelle zu unserem Shopsystem parat hatte und auch noch einige andere Plugins mussten von einem Freelancer entwickelt werden, weil es für uns zu komplex war.

Es sollte weitere 5.000 Euro kosten. Die hatte ich aber nicht, sonst hätte ich im Mai oder Juni Anke nicht mehr bezahlen können.

Mein Vater: „Ich gebe dir das Geld“

Ich war nun seit fast 8 Jahren selbstständig. Nie hatte ich auch nur einmal Schulden in meinem Leben. Das Wachstum meines Unternehmens hatte ich immer aus den eigenen Gewinnen heraus finanziert. Kein Fremdkapital. Nichts. Und das seit meinem 18. Lebensjahr.

Doch nun ging es nicht anders. Ich bat meinen Vater um Hilfe.

Er zögerte nicht einen einzigen Moment. Ich bin ihm unendlich dankbar!

Überhaupt hatten meine Eltern immer volles Vertrauen in mich. Am Anfang als ich mich während dem Abi selbstständig machte und auch jetzt, als es zum ersten Mal nicht so rund lief. Danke Mama und Papa!

Anke musste etwas kürzer treten

Trotz der Notlösung durch meinen Vater verzögerte sich der Launch um einen weiteren Monat. Zum ersten Mal nach 2 ½ Jahren in denen Anke bei mir angestellt ist, musste ich sie darum bitten, einen Monat lang weniger zu arbeiten, damit ich sie bezahlen kann.

Tiefpunkt.

Dieser Moment Mitte 2016 war der Tiefpunkt meines bisher 8-jährigen Schaffens als Online Unternehmer.

Doch mental war ich zu dieser Zeit stark. Ich wusste genau, dass wir es schaffen, sobald wir Spreadmind neu rausbringen würden. Denn unser Produkt war und ist die beste technische Lösung, die es im gesamten Markt gibt (ich rede hier auch von den USA).

Dabei war ich mir zu 100% sicher.

Wir launchten Spreadmind und fuhren los und zwar mit angezogener Handbremse

Zum Launch des neuen Spreadmind im Juni 2016 gab es einen 5-Euro-Testmonat, doch viele Autoren stiegen nach dem Testmonat aus. Die meisten, weil sie selbst noch nicht so weit waren mit ihren Kursen und ihnen dann der monatliche Betrag zu hoch war.

Neukunden waren nur sehr schwer zu gewinnen.

Es schien, als käme der gigantische Nutzen, den unsere Plattform bietet nicht so beim Kunden an.

Entscheidende Erkenntnisse durch die ersten Kunden und die Masterclass

Im August 2016 startete ich mit 7 Kunden eine exklusive Masterclass. In dieser begleite ich die Teilnehmer 6 Monate lang mit wöchentlichen Lektionen, wöchentlichen Skype Konferenzen, einer Facebook Gruppe, 3 Masterclass-Treffen vor Ort in Rottweil und einem 2 Tages Coaching für jeden einzelnen auch hier in Rottweil.

Die Ergebnisse sind schon jetzt unglaublich toll. Zwei der 7 haben bereits ihre ersten Einnahmen über ihre eigene Spreadmind Webseite und die anderen haben ihre Seiten inkl. Leadmagnet online und sind fleißig am Erstellen ihrer ersten Produkte.

Das Feedback der Masterclass Teilnehmer hat uns beflügelt. Denn sie nutzten unsere neue Plattform intensiv und gaben uns wirklich begeistertes Feedback. Weltweit seien wir die einzigen, die so eine ganzheitliche technische Lösung anbieten würden.

Nach all den jahrelangen Strapazen gingen uns solche Sätze „runter wie Öl“! Endlich!

Es wurde also immer deutlicher, dass der Wert unserer Plattform dann ersichtlich wird, wenn die Kunden in die Umsetzung kommen.

Meine Learnings aus 2016:

Am Ende dieses für mich besonderen Artikels möchte dir neben meinen Learnings aus 2016 auch eine Erfahrung aus dieser gesamten schwierigen Zeit mitgeben:

Es gibt Momente, da kann es richtig scheiße laufen und in diesen Momenten können dann noch Dinge passieren, bei denen du das Gefühl hast, jetzt will dich auch noch einer mit dem Kopf in diese Scheiße drücken. Das klingt derb, aber es ist so.

Das tut dann wirklich weh und in diesen Momenten sieht man keine Lösung und erst Recht keinen Sinn.

Doch im Nachhinein habe ich immer wieder eines festgestellt: In keiner anderen Situation bin ich persönlich so viel gewachsen wie in diesen des Schmerzes.“

Und genau diese Momente waren es, die mich zu Lösungen geführt haben, auf die ich sonst nie gekommen wäre.

Es klingt nicht fair, aber versuche diese schmerzhaften Momente in deine Arme zu schließen, wie einen Freund, denn sie werden dir zeigen, was richtig ist.

 

Konkrete Learnings in 2016 für unser SaaS Business waren zudem:

  • Die Wertigkeit einer solch komplexen technischen Lösung können Kunden erst wahrnehmen, wenn sie in die Umsetzung kommen
  • Sie brauchen zum einen also ein ausführliches Onboarding, das ihnen Schritt für Schritt (am besten in Videos) zeigt, wie sie die Plattform am besten und schnellsten nutzen können
  • Ebenso brauchen sie genügend Zeit, um das Ganze in einem kostengünstigen Rahmen ausprobieren zu können.
  • Es muss also ein vergünstigtes und dafür im Funktionsumfang leicht eingeschränktes Einstiegspaket geben, mit dem sie aber trotzdem in der Lage sind, die ersten Euros zu verdienen und finanziell frei zu werden.
  • Denn so befähigen wir sie, die Plattform dann auch in vollem Funktionsumfang nutzen und bezahlen zu können
  • Die Masterclass war ein Volltreffer. Dieses Konzept der Begleitung werde ich in 2017 in abgespeckter Form für mehr Menschen anbieten. Dazu an anderer Stelle mehr.

Meine Konsequenzen: Der erste Schritt in 2017

Alle meine Learnings aus 2016 werden in einer weiteren Neuauflage der Plattform von Spreadmind münden. Es wird nun offiziell „Spreadmind Automatic“ heißen und so einfach zu bedienen und gleichzeitig so günstig sein, dass sich damit jeder ohne finanzielles Risiko ein Online Business aufbauen kann, der das möchte. Bereits mit allen Funktionen, die man für ein eigenes Business brauch.

Wie das genau aussieht, werde ich am Dienstag, den 24.1.2017 in einem Video zeigen. Wenn du das nicht verpassen möchtest, dann trage dich in den Spreadmind Newsletter hier ein:

In diesem Artikel habe ich nach drei bis vier Jahren der wildesten Achterbahnfahrt meines Unternehmer-Lebens mein Herz ausgeschüttet. Ich konnte das nur niederschreiben, weil ich es inzwischen verarbeitet und reflektiert habe und mittlerweile wieder auf einem stabilen Kurs bin.

Für 2017 und die kommenden 3 Jahre sehe ich nun alles so klar vor mir,  sodass ich das Kapitel der Unklarheit abschließen wollte. Das habe ich mit diesem öffentlichen Artikel getan. Ich würde mich freuen, wenn du mir dazu konstruktiv ein Feedback geben könntest. Das würde mir sehr viel bedeuten.

Und wenn du selbst gerade auch in so einer Achterbahn sitzen solltest, dann steige nicht aus, denn sie kann dich nach einem Tiefpunkt höher bringen, als du zu träumen gewagt hast!

Das wünsche ich dir von Herzen für 2017!
Dein Mario Schneider

UPDATE: Hatte mich beim Datum verschrieben… Das Video kommt am Dienstag, den 24.1.2017 und NICHT am 23. raus.